Ein neues Erklärungsmodell zum Thema Borderline und Borderline-Beziehung
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Wieso sucht ein Borderliner nach einer Symbiose, und wieso wird diese symbiotische Bindung abrupt beendet, wenn es am schönsten ist?

Es ist erstmal wichtig zu wissen was eine Mutter-Kind Symbiose ist:

Wiki:

„Die Psychoanalyse betrachtete die Symbiose zwischen Mutter und Kind als eine normale Entwicklungsphase. Im Jahr 1945 beschreibt der österreichisch-amerikanische Psychoanalytiker und Säuglingsforscher René Arpad Spitz[1] die Symbiose in der Mutter-Kind-Beziehung, ähnlich später auch z. B. Margaret Mahler. Sie definiert den Beginn der symbiotischen Phase etwa im zweiten Lebensmonat, innerhalb der oralen Phase. In dieser Zeit ist das Kind körperlich und seelisch von der Mutter abhängig. Es erlebt sich noch als mit der Welt verbunden. Es kann noch nicht zwischen Innen und Außen unterscheiden, zwischen sich und Gegenständen, zwischen sich und der Mutter. Es erlebt die Mutter noch als Teil seiner Person, sich als untrennbare, symbiotische Einheit mit ihr.Die Mutter muss sich in die Bedürfnisse des Kindes einfühlen, um für deren Befriedigung sorgen zu können, da sie dem Kind selbst noch nicht bewusst sind. Steht die Mutter dem Kind in der symbiotischen Phase angemessen zur Verfügung, kann es das grundlegende Sicherheitsgefühl und Urvertrauen entwickeln. Diese Beziehung zwischen Mutter und Kind bildet die Grundlage für spätere Beziehungen.Die symbiotische Phase löst sich bei gelungener Entwicklung im 5. bis 6. Monat. Das Kind tritt in die anschließende Phase der Loslösung und Individuation/Selbstwerdung ein, um zu einem eigenen, von der Mutter abgetrennten Individuum zu werden.

Symbiotische Beziehungen bei Erwachsenen

Eine Symbiose in Partner-Beziehungen zwischen Erwachsenen besteht bei krankhafter Abhängigkeit eines oder beider Partner. Hier ist die frühkindliche Abhängigkeit von der Mutter nicht in einem gesunden Entwicklungsprozess aufgelöst worden, sondern besteht weiterhin oder wird auf den Partner oder andere wichtige Bezugspersonen übertragen. Als Sucht kann sich dies in Form von Beziehungssucht, Co-Abhängigkeit bis hin zur Hörigkeit äußern“



Beim Borderliner wurde diese Symbiose mit der Mutter frühzeitig beendet, und die Sehnsucht, diese unerfüllte symbiotische Bindung, die wichtig für weitere Entwicklung ist, fehlt! Diese Symbiose wurde von der Mutter unterbrochen, und ein Borderliner sucht sein Leben lang danach.
Bei Abbruch einer symbiotischen Bindung mit der Mutter, entsteht ein Schmerz, weckt Todesangst nicht überleben zu können… und das Kind fühlt sich nicht mehr mit der Mutter verbunden, sondern mit der ganzen Welt…da die Mutter fehlt.

„. Es erlebt sich noch als mit der Welt verbunden. Es kann noch nicht zwischen Innen und Außen unterscheiden, zwischen sich und Gegenständen, zwischen sich und der Mutter. Es erlebt die Mutter noch als Teil seiner Person, sich als untrennbare, symbiotische Einheit mit ihr.“

Und ein Borderliner bleibt emotional GENAU da stehen! Er sucht zwanghaft nach Zugehörigkeit, nach der Mutter und die Bindung die das Leben bedeutet… Er sucht diese Bindung in jeder Beziehung, und trotzdem fühlt er sich verbunden mit der Welt, aber allein gelassen… alles verwirrend und ambivalent… Trennung von der Welt, wenn er in eine Beziehung gerät, geht er für den Moment „verloren“ und da entsteht wieder die Todesangst… denn damals war die Symbiose unterbrochen…und er weiß unbewusst: „es wird wieder passieren“. Er erfährt immer wieder den gleichen Schmerz, aber er hat sich dran gewöhnt…denn Schmerz kennt er…Trennung kennt er auch viel zu gut…und die Verbundenheit mit der Welt, ohne zu unterscheiden was er ist und was die Welt… und deshalb die ewige Suche nach dem Spiegelbild, nach einer Identität...
Anfangs in einer Beziehung fühlt sich der Borderliner gut aufgehoben… Verschmelzung, Symbiose… genau da wo es damals aufgehört hat… Nach einer gewisser Zeit, nach der Idealisierungsphase wenn die „Normalität“ einkehrt, bekommt der Borderliner Todesangst, die Angst die er schon so gut kennt, die Angst die ihn die Schutzmechanismen um zu überleben „beschert“ hat und was macht er dann? Er aktiviert wieder die Schutzmechanismen die ihm damals das Leben gerettet haben... Er geht abrupt auf Rückzug…er macht GENAU das was die Mutter damals getan hat…er bricht die Symbiose ab, aus Angst nicht zu überleben, und projiziert alle negativen Emotionen auf den Partner… Emotionen, die eigentlich unbewusst an die Mutter gerichtet sind (denn der Partner hat in den Moment diese Rolle unbewusst übernommen). Als Säugling weiß man nicht was hassen ist, man weiß als Kind nicht was passiert… nur Angst und Überleben… mehr nicht… alle anderen Emotionen konnte er nicht spüren, da er ums reine Überleben kämpfen musste… Und jeder Partner der mit ihm Symbiose eingeht, reaktiviert diese Angst und alle anderen Mechanismen die das pure Überleben bedeuten!!!!
Diese negativen Emotionen, die der Partner als Hass und Abwertung erlebt, sind Schutzmechanismen, die aus dieser Urangst heraus reaktiviert werden… Angst vor dem Schmerz den man damals mit der abrupten Trennung von der Mutter erlebt hat, Angst vor dem Alleinsein in dieser Welt, Angst vor dem Tod! Wann hätte das Kind andere Emotionen kennen lernen können? Es hat erfahren dass es nur Gut und Böse gibt (Mutter ist da - gut, Mutter ist weg - böse), andere Emotionen wurden im Keim erstickt.

Symbiose lauert überall… Ich glaube zu verstehen wieso eine symbiotische Bindung entsteht. Ich versuche es bildlich zu erklären:

Ein Borderliner hat eine lange unsichtbare Nabelschnur und genau da sitzen die „Antennen“ die ständig nach Symbiose suchen. Es passiert oft sehr schnell, denn die Nabelschnur ist feinfühlig und riecht das „Fruchtwasser“ überall. Wenn zwei Borderliner aufeinander treffen (man riecht sich förmlich), zwei lange Nabelschnüre, die Symbiose ist „perfekt“ denn die langen Nabelschnüre „verkabeln“ sich ineinander, so dass man sich nicht voneinander unterscheiden kann. Nicht mehr weiß, wer ist wer … Perfekte Spiegelung! Deshalb ist anstehende Trennung und Schmerz umso größer Borderliner kennt den Schmerz - seinen ständigen Begleiter…und streckt seinen Nabelschnur und sucht weiter… denn die Symbiose bedeutet für ihn das Leben, und die Trennung immer wieder einen kleinen Tod. Da er kein emotionales Gedächtnis hat (wie auch????) hat er gelernt zu spalten und weiter zu suchen…

Beim „normalen“ Partner ist Nabelschnur wahrscheinlich noch vorhanden (kleinere Traumen aus der Kindheit), nur nicht so „lang“ wie beim Borderliner… Der Borderliner „riecht“ auch die „Reste“ der Nabelschnur und dockt genau dorthin an. Symbiose passiert, aber Trennung ist hart, denn der Partner ist es nicht gewohnt wenn so eine Bindung abrupt abgebrochen wird. Der Borderliner erlebt das immer und immer wieder… er kennt die Mechanismen schon und bevor „die Mutter“ wieder geht, geht er selbst, um den großen Trennungsschmerz (der die ganze Zeit da ist) zu vermeiden. Er kennt es nicht anders, und wenn Urvertrauen, aufgrund der zu früh unterbrochenen Symbiose mit der Mutter fehlt, wie soll er überhaupt jemanden anderen vertrauen können?

Dieser Schmerz bei dem Partner ist groß und nicht zu begreifen, deshalb so viel Leid, Verzweifelung und Kummer… In ihm ist auch alter Schmerz reaktiviert worden… ungelöste Konflikte aus der Kindheit… seine unbewusste Suche nach der "restlichen" Symbiose, die er mit Borderliner erlebt, findet damit auch ein Ende… und den Weg zurück, zu sich selbst, wenn er genau hinschaut Bild


Also, man sagt immer „Nimm die Füße in die Hand und renn los“ und an dieser Stelle möchte ich sagen „Nimm deine Nabelschnur in die Hand und schau wo sie anfängt und wo sie aufhört. Stell Dich Deinen Gefühlen“.

Denn, Symbiose gibt es nur in Mutterleib und 6 Monate danach… so was kann man weder nachholen noch wieder gut machen.

Und dran denken: Partner hat unbewusst die Rolle der Mutter übernommen, die dem Borderliner die Symbiose "schuldig" geblieben ist, und eine Lösung von dem Borderliner kann man bildlich als eine Geburt sehen, was auch Ende der Symbiose bedeutet. Geburt ist verbunden mit viele Wehen und Schmerzen, aber mit der Geburt fängt ein neues Leben an.... eigenständig und selbstbestimmt! 

 

(c) 2011 Suzana Pavic